Der Fachkräftemangel im Handwerk und seine Auswirkungen

Unzählige Male haben wir an dieser Stelle und auch auf unserer Facebook Seite davon berichtet, wie schwer es ist, Nachwuchs im Handwerksbereich zu finden. Das Handwerk scheint auf dem ersten Blick nicht mehr attraktiv genug für junge Menschen zu sein. Heute möchten wir über eine mögliche Auswirkung berichten, die auch unsere Kunden betrifft.

Wenn Sie in der letzten Zeit auf der Suche nach einem Handwerker waren, werden Sie vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sie fragen telefonisch nach einem Termin und werden zunächst einmal vertröstet. Der nächste Termin, an dem sich der Handwerker um Ihr Anliegen kümmern kann, ist erst in einigen Wochen möglich. Bei besonders speziellen Aufträgen, in denen besonders geschultes Fachpersonal nötig ist, ist eine Wartezeit von einem halben Jahr keine Ausnahme. Kunden, die bereits in einer Beziehung zu dem Handwerksbetrieb stehen, werden meist bevorzugt behandelt. Für Neukunden bedeutet das im Umkehrschluss eine noch längere Wartezeit.

Ein Grund für die lange Wartezeit ist die extrem hohe Nachfrage nach Handwerkern, die sich zum Teil mit den aktuell niedrigen Zinsen begründen lässt. Das Geld auf der Bank zu horten ist in der heutigen Zeit wenig gewinnbringend. Es jedoch in ein schöneres zu Hause oder Arbeitsumfeld zu investieren, scheint den Kunden daher viel sinnvoller.

Nun könnte man meinen, dass dies für das Handwerk eine sehr komfortable Situation ist. Schließlich sind die Auftragsbücher voll und die Kunden stehen Schlange. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das jedoch der Supergau. Es geht nicht darum, dass das Handwerk mit Hilfe der geeigneten Fachkräfte mehr Umsatz erwirtschaften könnte. Vielmehr geht es um die Zukunftssicherung des Handwerks an sich.
Jedes Jahr fehlen dem Handwerk 15.000 bis 20.000 Azubis und Lehrlinge. Aktuell könnten 200.000 bis 250.000 zusätzliche Handwerker in den Betrieben untergebracht werden.
Die Problematik wird sich in den nächsten fünf bis sechs Jahren noch verstärken. Rund 200.000 Betriebe mit rund einer Million Mitarbeitern stehen vor einem Generationswechsel. Die Nachfolger-Suche gestaltet sich meist schwierig. Es bleibt also unklar, ob all diese Betriebe auch weiterhin existieren werden.

Die Personalsituation im Handwerk ist also für alle Beteiligten unbefriedigend.
Verbände und Innungen kämpfen gemeinsam darum, junge Menschen vom Handwerk zu überzeugen. Die Raumausstatter- und Sattler- Innung ist z.B. regelmäßig auf der Jugendmesse you. vertreten, um den Jugendlichen unser Handwerk zu präsentieren.
Aber auch von der Politik wünschen wir uns in Zukunft mehr Unterstützung. In einigen Bundesländern gibt es bereits Pilotprojekte für das „Berufsabitur“, das ein vollwertiges Abitur mit einem Ausbildungsberuf verbindet. In Berlin startet diese Möglichkeit mit dem Schuljahr 2018/2019. Allerdings ist diese Möglichkeit zunächst auf zwei Ausbildungsberufe begrenzt.

Gerne diskutieren wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen auf unsere Facebook Seite. Auch freuen wir uns auf Ihre Fragen und Anregungen:
https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

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  1. […] Derzeit fehlen rund 200.000 bis 250.000 Fachkräfte und Helfer im Handwerk, die in den Betrieben dringend benötigt werden, um offene Stellen zu besetzen. Die Auftragsbücher sind voll und Aufträge müssen mittlerweile abgelehnt werden, weil nicht genügend Mitarbeiter in den Betrieben sind, um diese abzuarbeiten. In diesem Blogbeitrag haben wir davon berichtet: https://innung.wordpress.com/2018/07/17/der-fachkraeftemangel-im-handwerk-und-seine-auswirkungen/ […]



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